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"Skizzen der Meister"
Eine Zensur in Computer-Grafik, von Peter Zadkovic



Eröffnung: in Anwesenheit des Künstlers, Freitag 13.05.2011, 19:00
Ausstellungsdauer: 14.05.-10.06.2009

Sowie zusätzliche Präsentation zum Tag der offenen Ateliers der freischaffenden KünstlerInnen der Steiermark, Sonntag 15.05.2011, 10-20h




Zur Ausstellung:

Was würde Botticelli sagen, sähe er seine "Venus, die dem Meer entsteigt", welche später den Namen "Geburt der Venus" erhielt, als eine auf wenige Striche reduzierte Figur? Entledigt von all dem schönen Bildinventar, welches die Gemälde der alten Meister zu den brillantesten Illusionen machten.

Peter Zadkovic, der 1961 gebürtige Österreicher und als Einzelkind aufgewachsene, der Baukaufmann, Autofahrer, Erwachsenenausbilder, BlauOrden-Pate und Künstler, konzentriert sich in seiner Werkschau auf die Reduktionen der notwendigsten Darstellungspunkte, in denen sich ein bekanntes Gemälde darstellt. Das Novum seiner Arbeit liegt im Gestaltungsmedium Computer-Oberfläche und dem Text-Programm Word 2003, mit denen die Vorlagen alter und neuer Meister de-konstruiert zu Papier gebracht werden. Auf das Wesentliche vereinfacht und abgewandelt. Er erschafft in diesem Bildzyklus eine paradoxe Einheit aus neuer Bedeutungslosigkeit und Inhalt, in dem er den einstmals bedeutungsvollen Inhalt einfach wegnimmt und damit einer jähen Zensur unterzieht. Was bleibt sind wenige, aber gezielte Linien und Gebilde, die seiner zerebralen "Merkliste" für räumliche und farbliche Zusammenhänge entspringen, wie ein Kind, ein ihnen gezeigtes Gemälde wahrscheinlich ähnlich zeichnerisch nach-empfinden würde. Die Reduktion erfolgt durch die Aussage ihrer persönlichen Erinnerung und diese wird dann auf Papier an einen Außenstehenden mit einer "Erklärung" weitergegeben, die im Falle Zadkovics durch meine Übersetzung lauten könnte: Weiblicher Körper in Form einer Bombe, (was assoziativ durch den modernen Begriff "Sexbombe" zu dieser grafischen Darstellung geführt haben dürfte). Unten zwei Beine aus dünnen Strichen, keine Füße. Wäre Zadkovic ein Fußfetischist, hätte er sich dieses (wichtige) Detail nicht entgehen lassen. Im unteren Bauchbereich der Schamhügel, gezeichnet als Dreieck. Erinnert an Geo-Dreieck aus der Schulzeit. Minimalistisch sind daher auch die Geo-Daten einer Frau: Eine Frau ist gleich=zwei Kugeln und ein Dreieck. Wir sehen dann den unvermeidlichen Busen, bestehend aus zwei Kreisen. Werden getragen von einem abgeknickten Arm, der wiederum nur ein Strich ist. Sieht aus wie zwei Kugeln auf einem Tablett deponiert, gehalten von einem Diener (Liebesdienerin?), frisch zum Verzehr (zum vernaschen) bestimmt. Zweiter abgeknickter Arm schützend vor Schamhügeldreieck. Keine Hände. Kein Hals, dafür ein Kopf wie ein Mondgesicht. Zwei Punkte als Augen, keine Nase (den richtigen Riecher verloren?), breiter Strich als Mund. Ausdruck des Gesichts: irgendwie resigniert, so als habe sie gerade eine Migräne. Das ganze Wesen haarlos (obwohl man die Venus in seiner Grafik dann aber doch irgendwie automatisch mit Haaren sieht, eben aus der Erinnerung heraus). Diese zerbrechliche Venus, die im Gesamtbild wie eine flügellose kesse Biene erscheint, steht auf einer horizontal angelegten ovalen Plattform und wir lesen die Worte "Muschel" und "ein wenig Schaum". Der Wind wird in diesem Bild durch zwei vertikal angeordnete Ovale und drei in Richtung "Venus" zeigende Pfeile angedeutet. Das ist auch schon fast alles.

Die aus der griechischen Mythologie stammende Göttin der Horen, deren Auftrag es war, das geregelte Leben zu überwachen, welche in Botticellis Original, der Venus den mit Blumenmuster gewobenen Mantel reicht, wird hier auf ein weiteres vertikal angelegtes Oval beschränkt, mit der Beschriftung "Bekleidung". Reicht ja auch! Wer braucht denn heute noch ein zusätzlich daher schwebendes Weib, wenn es überflüssig geworden ist, weil das Unbewusste auch diese Schöne längst unwiderruflich in unser aller Hirnkastl abgespeichert hat? Und dennoch: Wir sehen auch sie, ohne sie zu sehen.

Und in Wirklichkeit ging es damals ja nur darum, dass Botticelli mit diesem Kunstgriff so tat als ob die Nackte ihre Nacktheit mit dem Mantel hätte verhüllen sollen, mit dem Ergebnis ihre Schönheit und Attraktivität, ihr Sexappeal noch mehr und unmissverständlich in den Vordergrund zu stellen. Denn: er hätte diese Szene ja auch ganz anders malen können!

Peter Zadkovic jedenfalls versteht seine Werke "als zur Steigerung der Suche nach der großen Kunst fördernd wirkend. Tiefsinnige Gespräche darüber mit ihm seien sinnlos, weil man auf der Erklärungs-Ebene angelangt, etwas besprechen wird, dass man eigentlich empfinden soll. Und man starte jedes Mal mit dem Fehler des Erklärens, des "Vereinfachens". In seiner Arbeit wird dieser Text daher durch eine Text-Programm-Skizze ersetzt, gleich einer schnellen Handzeichnung mit den wichtigsten "Eckdaten"."

Weitere Werke, welche in dieser Zeitreise-Präsentation zu sehen sein werden, reichen von "REMI´s Mann mit dem Goldhelm" und "Albrecht Dürers Selbstbildnis" über "Mona Lisa", "Mädchen mit dem Perlenohrring", dem "letzten Abendmahl", der "Nachtwache", der "Venus von Willendorf", Picassos "Dora Maar"-Portrait, "Vinzent´s Sternennacht", dem "Turmbau von Babel", und dem "Großer roter Panther fürs Militär von Florinda", sowie einer "MING-Vase" (mit der textlichen Erklärung, was MING denn nun wirklich bedeutet).

Am Ende bleibt nach der Rückschau auf 500 Jahre Malerei und im Zirkelschluss an Peter Zadkovics Neu-Definitionen zu sagen: Kunst ist die Erschaffung von Kapital, das ruht. Doch manchmal stört sie auch die Ruhe. Dann nämlich, wenn plötzlich alles ganz anders ist, als so, wie man es vorher kannte.

© Florinda Ke Sophie, Graz 2011






Infos: bei Florinda Tel.: 0650 8171610


   

 

 


 

 
     

 

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