Karin Rindler

„zeitgemäß#verpackt“ – Ein Statement über die Intimität der Jetztzeit-Müllmenschen

Malerei Karin Rindler (Berlin/D)

 

 

 

Eröffnung: 02.06.2015

Einführung ins Werk: Kerstin Eberhard

Ausstellungsdauer: 03.-19.06.2015

 

 

Unverpackt. Eingepackt. Ausgepackt. Der Mensch unverhüllt und verhüllt in Plastikfolien als Sinnbild seiner Verletzlichkeit und Destruktionskraft. Baustellen-Aktmalerei, Nackedeis in einer Müllromanze und eine in der Jetztzeit angekommene und der Flussschifffahrt abtrünnige Lorelei auf dem Autofriedhof. Enthüllende Akt-Selbstportraits in Embryonalstellung, Menschen in Plastiktüten abgefüllt und mit zeitgemäßen Barcodes versehen.

Die Gestalten in der Malerei von Karin Rindler sind bewusst ihrer Ausstrahlung nach provokant überhöhte und inszenierte Träger einer speziellen Botschaft der aktuellen Realität. Mit dem was ist, befindet sich die Künstlerin in dicht ineinander übergreifenden Arbeitszyklen in intensiver wie auch intimster Auseinandersetzung und lässt sich vom Leben inspirieren: All die „normalen“ und „nicht normalen“ Individuen, mit ihren großartigen Begabungen, lächerlichen Unzulänglichkeiten und grotesken Deformationen, mit ihrer kreativ-konstruktiven Kraft, aber auch mit ihrem alles platt walzenden Egoismus und nicht zuletzt mit ihrem manchmal unerbittlichen Vernichtungswillen.

Was sie beschäftigt ist: Schönheitswahn, Normen und Konformität. Und ebenso innere Schranken und Hindernisse, die ein Ausbrechen oder Umdenken verhindern. Mir geht es dabei nicht nur um individuelle Befindlichkeiten, sondern darüber hinaus um gesellschaftliche Phänomene, die aber mit diesen individuellen Befindlichkeiten korrespondieren. Was mich fasziniert ist, dass die Möglichkeiten des menschlichen Ausdrucks, betrachtet man nur genügend viele Menschen, unbegrenzt scheinen. Die Menschen stehen nackt und ungeschönt im Mittelpunkt, weil sie dadurch ehrlicher und gleichzeitig verletzlicher sind, oft rebellisch gegen die gängigen Schönheitsideale in Werbung und Hochglanzmagazinen, manchmal aber auch in resigniertem Verharren und Abfinden mit der Realität.

Die geborene Kärntnerin studierte an der Universität für angewandte Kunst in Wien in der Meisterklasse für freie Malerei und Grafik bei Professor Carl Unger, absolvierte dort ihr Diplom und Meisterjahr und verließ gleich danach Österreich, um sich in Berlin der Fotografie und dem Film zuzuwenden. Sie arbeitete als Autorin und Redakteurin, als Dokumentar-, Kurz-, Experimental- und Zeichentrickfilmerin und erhielt als Auszeichnung ein Drehbuchstipendium der FFA Berlin.

Nach jahrelanger Pause nahm sie die Malerei wieder auf und etablierte sich seit 2005 ausschließlich als freischaffende Malerin und Illustratorin in Berlin. Ihre Ausstellungen führten sie nach Hamburg, Paris, Wien, Bonn, Heidelberg, Meißen, Klagenfurt und in diesem Jahr erneut nach Graz, zu ihrer zweiten Personale in der Galerie Blaues Atelier.

Text: Kerstin Eberhard, Zitate in kursiv: Karin Rindler